Pony Felix und St. Martin 2008

Liebe Marienkäfer,

seit ich noch ein kleines Ponyfohlen war hatte ich nur einen großen Wunsch: einmal St. Martins Pferd sein.

Und das kam so: Ich rannte mit meinen Ponyfreunden zu Hause über unserer große Weide, es dämmerte schon und meine Mutter rief bereits: „Felix, jetzt wird es aber Zeit zum Schlafen. Komm bitte in den Stall!“. „Eine Runde noch!“ rief ich im vollen Galopp.

Plötzlich hörte ich festliche Musik und glockenhelle Kinderstimmen, die wunderschöne Melodien sangen. Neugierig blieb ich am Zaun stehen und blickte in die Richtung, aus der die Musik kam. Kinder zogen mit wunderschönen, bunten Laternen die Straße vor unserer Weide entlang und sangen aus voller Kehle: „St. Martin, St. Martin….“

So etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen. Aber das Beste, das aller-, aller-, allerbeste war St. Martin selbst. Er trug einen glitzernden Helm, einen weiten roten Mantel und ritt auf einem prächtigen weißen Pferd.
Das Pferd hielt seinen Hals elegant gebogen und tänzelte an der Spitze des Zuges. Seit dem Tag hatte ich nur einen einzigen Wunsch: einmal das Pferd von St. Martin sein.

Ich trainierte jeden Tag: elegant meinen Kopf halten, angemessen schreiten und leicht tänzeln. Mein schönes weißes Fell pflegte ich und passte auf, dass ich nicht in den Matsch viel. Und dann war es soweit: die Helfer von St. Martin suchten ein weißes Pferd für den nächsten Zug. Sie kamen auch an meine Weide.
Jetzt war mein großer Tag gekommen.

Elegant schritt ich vor den Männern her und blieb schließlich erwartungsvoll vor Ihnen stehen. Dann hörte ich sie sagen: „Nettes Pony – aber für den St. Martinszug viel zu mickrig und zu klein. Wir müssen wohl weiter suchen.“ Da stand ich nun und konnte nichts mehr tun. Ich war zu kein – zu mickrig hatten sie sogar gesagt. Die anderen Pferde lachten sich kaputt – nur meine Mutter legte tröstend Ihren Kopf an meine Schulter „Mach dir nichts draus.

Du musst nur an dich glauben“ sagte sie. Das war leichter gesagt als getan. Ich hatte an gar nichts mehr Spaß. Am liebsten wäre ich den ganzen Tag im Stall geblieben. Doch dann geschah das unglaubliche. Auf einmal stand St. Martin in der Stalltür. Der echte St. Martin.

Er schaute mich lange an und sagte:“ Ich habe gehört, du wünscht die nichts sehnlicher als einmal den Zug mit mir anzuführen?“ Zaghaft nickte ich. „Aber ich bin zu klein, haben deine Leute gesagt.“ „Ich muss ja nicht auf dir reiten. Es genügt, wenn du mein Schwert an deinem Sattel trägst.“ „Am Freitag ist der St. Martinszug der Kindertagesstätte Marienkäfer. Möchtest du diesen Zugweg mit mir gehen?“ Am liebsten wäre ich dem St. Martin um den Hals gefallen. Natürlich wollte ich mit.

Und so kam es, dass ich – das kleine weiße Pony Felix – euren wunderschönen Zug begleiten durfte. Eure bunten Laternen haben mir ausgesprochen gut gefallen und ihr habt so schön gesungen. Das Martinsanspiel mit dem Bettler fand ich ganz toll. Leider durfte ich dann nicht mehr mit Euch in die Kita kommen. Ich kann nämlich keine Treppen steigen. Aber der St. Martin hat mir ein Stück von dem leckeren Weckmann mitgebracht, den ihr zusammen geteilt habt. Köstlich.

Danke, dass ich bei eurem Zug mitmachen durfte. Es war ein ganz besonderes Erlebnis und hat mir viel Spaß gemacht. Mein allergrößter Wunsch ist damit in Erfüllung gegangen.

Euer Felix

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